Die Naturbrut ist die stressärmste Art der Kükenaufzucht – für Mensch und Tier. Eine erfahrene Glucke übernimmt Temperatur, Feuchtigkeitsregulierung und Kükenaufzucht fast vollständig selbst. Deine Aufgabe besteht vor allem darin, geeignete Bedingungen zu schaffen und im Hintergrund zu bleiben.
Wie erkenne ich eine brütige Henne?
Eine brütige Henne zeigt folgende Verhaltenszeichen:
- Sitzt dauerhaft im Nest – auch nachts, auch wenn du sie vertreibst
- Gesträubtes Gefieder, leises Glucken oder aggressives Hacken, wenn du die Hand näherst
- Aufgeplusterter Bauch (hohe Körpertemperatur, bis zu 41 °C)
- Hört auf zu legen oder nimmt nur noch kurze Pausen für Fressen und Trinken
Wichtig: Nicht jede Henne, die mal länger sitzt, ist eine zuverlässige Glucke. Beobachte 2–3 Tage, bevor du Bruteier unterschiebst.
Welche Rassen sind gute Glucken?
Die Brütigkeit wurde bei Legeleistungsrassen (Leghorn, ISA Brown) weitgehend weggezüchtet. Zuverlässige Glucken findest du bei:
- Orpington – sanft, sehr zuverlässig
- Cochins – legendäre Brutfreudigkeit
- Marans – mittelmäßig, aber vorkommend
- Sussex – akzeptabel, variiert stark
- Silkie (Seidenhuhn) – extrem brütig, nimmt auch Enten- und Gänseeier an
Schritt 1: Brutplatz einrichten
Verlagere die Glucke in eine separate Box oder Abteil, wenn:
- andere Hennen ihr Brutnest streitig machen
- der Neststandort zu exponiert ist
- du die Küken später separat aufziehen möchtest
Anforderungen ans Brutnest:
- Bodenkontakt (kein erhöhtes Nest) – Küken fallen sonst heraus
- Einschichtige Einstreuschicht aus Heu oder Stroh, leicht eingemuldet
- Halbdunkle, ruhige Ecke
- Wasser und Futter in Reichweite (Glucken fressen sehr wenig, trinken aber)
Schritt 2: Bruteier unterschieben
Schiebe die Bruteier nachts unter die Glucke. Vorteile: Sie ist ruhiger, registriert die Veränderung weniger.
- Maximal so viele Eier, wie sie vollständig bedecken kann: 8–12 für mittelgroße Rassen, 6–8 für kleine.
- Entferne eigene Legeier vorher, falls sie noch welche gesammelt hat.
- Markiere die Bruteier mit Bleistift (z. B. Datum + „B”).
Schritt 3: Die 21 Tage Brutzeit
Deine Hauptaufgabe: Ruhe bewahren und nicht stören.
- Kontrolliere täglich kurz, ob Wasser und Futter vorhanden sind.
- Leuchte die Eier an Tag 7 und 14 durch – infertile oder abgestorbene Eier entfernen.
- Sorge dafür, dass andere Hühner die Glucke nicht stören oder verdrängen.
Typische Sorge: Glucke verlässt das Nest. Einmal täglich kurz fressen und trinken ist normal (10–20 Minuten). Beobachte, ob sie zuverlässig zurückkehrt.
Schritt 4: Schlupf begleiten
Um den Schlupftermin (Tag 20–21) herum:
- Störe das Nest so wenig wie möglich.
- Die Glucke reguliert Temperatur und Luftfeuchtigkeit selbst – besser als jeder Inkubator.
- Abgestorbene Küken entferne erst, wenn die Glucke selbst aufhört, sie zu wärmen.
- Schlüpflinge bleiben 12–24 Stunden unter der Glucke, bevor sie aktiv werden.
Schritt 5: Aufzucht mit der Glucke
Die Glucke übernimmt Wärme, Futtersuche zeigen und Schutz. Deine Aufgabe:
- Küken-Startfutter (Krümelmehl) bereitstellen – keine groben Körner in den ersten 2 Wochen.
- Flaches Tränkengefäß mit Kieselsteinen gegen Ertrinken.
- Schutz vor Prädatoren – Greifvögel, Ratten, Marder sind eine echte Bedrohung für Küken.
- Andere Hühner können Küken angreifen: Trenne die Glucke mit Küken in den ersten 2–4 Wochen.
Natürliche Grenzen der Glucke
Glucken entwöhnen die Küken nach 4–8 Wochen selbst. Danach beginnt der Übergang in die Herde, der Stress auslösen kann – besonders wenn die Rangordnung unklar ist. Plane für diesen Übergang genug Ausweichmöglichkeiten ein (zweite Futterstelle, Rückzugsecken).
Letzte Überarbeitung: Oktober 2024