Die Kunstbrut im Inkubator ist für viele Hobbyhalter der einfachste Einstieg in die Kükenaufzucht – ganz ohne Glucke. Wenn du einige grundlegende Parameter im Griff hast, sind Schlupfquoten von 70–85 % bei frischen Bruteiern realistisch.
Ausrüstung: Was du brauchst
Bevor du anfängst, solltest du folgendes parat haben:
- Inkubator mit automatischer Wendung und Hygrostat (Empfehlung: Brinsea Ovation oder gleichwertig)
- Thermometer/Hygrometer zur unabhängigen Kontrolle
- Schmirgelpapier zum Markieren der Eier (optional)
- Ovoskop zum Durchleuchten (Schierlampe)
- Desinfektionsmittel für Inkubator und Hände
Tipp: Kaufe einen Inkubator mit separatem Hygrometer – die eingebauten Sensoren sind oft ungenau.
Schritt 1: Bruteier auswählen und lagern
Nicht jedes Ei ist für die Brut geeignet. Achte auf folgende Punkte:
- Alter: Frisch ist besser. Ideal sind Eier, die nicht älter als 7–10 Tage sind.
- Lagerung vor Einlegen: Kühl (10–15 °C), spitz nach unten, täglich einmal kippen.
- Form und Schale: Keine runden, stark länglich geformten oder porös wirkenden Eier.
- Gewicht: Für Hühner 50–70 g je nach Rasse.
Vermeide Eier, die im Versand starke Temperaturschwankungen hatten – die Schlupfquote leidet deutlich.
Schritt 2: Inkubator vorbereiten
Stelle den Inkubator 24–48 Stunden vor dem Einlegen in Betrieb, um die Temperatur zu stabilisieren.
| Parameter | Hühner | Enten | Gänse |
|---|---|---|---|
| Temperatur (°C) | 37,5–37,8 | 37,5 | 37,5 |
| Luftfeuchtigkeit (%) | 45–55 | 55–65 | 60–70 |
| Wendung | 3–5× täglich | 3–5× täglich | 3–5× täglich |
| Brutdauer (Tage) | 21 | 28 | 30 |
Desinfiziere alle Oberflächen mit lebensmittelsicherem Desinfektionsmittel und spüle gründlich nach.
Schritt 3: Eier einlegen
Markiere die Eier mit einem leichten „X” auf einer Seite (Bleistift, kein Kugelschreiber). So siehst du beim manuellen Wenden, ob alle Eier korrekt gedreht wurden.
Platziere die Eier spitz nach unten im Eiermagazin (gilt für Zwangsbelüftungsinkubatoren mit Magazinhalterung).
Schritt 4: Kontrolle während der Brut
Candling – Durchleuchten
Leuchte die Eier am Tag 7 und Tag 14 durch:
- Tag 7: Du siehst ein kleines dunkles Fleckchen (Embryo) mit feinen Blutgefäßen. Infertile Eier bleiben klar.
- Tag 14: Großer dunkler Bereich, der fast das Ei ausfüllt. Luftkammer sichtbar oben.
- Fauler Geruch = Ei sofort entfernen! Platzende Eier können den gesamten Brutansatz kontaminieren.
Luftfeuchtigkeit und Wasser
Halte die Luftfeuchtigkeit stabil. Viele Hobbyhalter arbeiten mit der Trockenmethode (35–40 % in den ersten 18 Tagen), die eine bessere Luftzellenentwicklung ermöglichen soll.
Schritt 5: Lockdown ab Tag 18
Ab Tag 18 (bei Hühnern):
- Wendung einstellen
- Luftfeuchtigkeit auf 65–70 % erhöhen
- Inkubator nicht mehr öffnen
Lege die Eier flach oder in die Schlupfgitter. Die Küken brauchen Platz, um sich zu drehen und zu schlüpfen.
Schritt 6: Schlupf
Schlupf beginnt typischerweise zwischen Tag 19 und Tag 21. So gehst du richtig vor:
- Inkubator nicht öffnen, bis alle Küken geschlüpft sind (oder 24 h nach dem letzten Schlupf).
- Frisch geschlüpfte Küken im Inkubator trocknen lassen – mindestens 8–12 Stunden.
- Erst dann in den vorgewärmten Aufzuchtbehälter umsetzen.
Häufige Fehler
| Fehler | Folge | Lösung |
|---|---|---|
| Temperaturschwankungen | Niedrige Schlupfrate | Inkubator vorab stabilisieren |
| Zu hohe Luftfeuchtigkeit | Küken ertrinken im Ei | 45–55 % in Phase 1 |
| Inkubator während Lockdown öffnen | Luftfeuchtigkeit bricht ein | Konsequent geschlossen halten |
| Alte Bruteier | Keimfähigkeit sinkt | Nur Eier <10 Tage verwenden |
Letzte Überarbeitung: Oktober 2024